Endlich richtig Wind – Abschied von den Ålands, Teil IV

Ein gemütlicher Regentag

Wir blieben drei Tage auf Bomarsund. Die heranrückende Kaltfront hatte uns tüchtig mit Regen eingedeckt. Macht nichts – eine gut Gelegenheit, um BlueStorms geräumiges Kockpit mit einem einfachen Plichtzelt zu einem weiteren, trockenen Wohnbereich zu verwandeln. Mit einem guten Buch in der Hand, in zwei warmen Pullovern eingemummelt, den Cognac in Reichweite und mit einer dampfenden Pfeife im Gesicht, machten wir es uns gemütlich und wetterten so die trüben Stunden ab. Uns fehlte es an nichts. Es ist ganz einfach schön, wenn man geschützt unter prasselndem Regen sitzt mit Aussicht nach achtern auf herrliche Felsformationen.

Am dritten Tag auf Bomarsund war dann die Faulenzerei vorbei. Es ruft nun auch bei uns nach zweieinhalb Wochen entspannter Wanderfahrt der heimatliche Schreibtisch. Also Leinen los, den Jockel an und raus aus der herrlichen Ankerbucht – und wir staunten nicht schlecht. In unserer geschützten Lage hatten wir gar nicht so richtig mitbekommen, dass inzwischen ein heftiger NW mit Stärke 6, und in Böen auch mehr, herangerückt war. Nur gut, dass BlueStorm nicht nur Jollenkreuzereigenschaften hat, sondern mit seinem Ballastschwert über weitere Sicherheitsreserven verfügt. Mit zwei Reffs im Groß und halb eingerollter Fock hatten wir nie ein Unsicherheitsgefühl, sondern segelten am Wind sogar recht trocken. Der Kurs über den Lumparn Richtung Marienhamn ließ uns immer mutiger werden. So hatten wir bei leicht nachlassendem Wind ausgerefft und das Boot richtig fliegen lassen. Nun ging die Post so richtig ab! Bei Gleitfahrt knackten wir gut die 12 Knotenmarke. Egal, es war höllisch schnell, und wir Gemütssegler fühlten uns wie gehetzte Kanninchen, die es nochmals in den Bau geschafft hatten.

Der Lenstrœmkanal führte uns schließlich Richtung Marienhamn Osthafen. Nach zehn weiteren Seemeilen machten wir wieder unter den Rahen der Pommern im Westhafen fest – der Ausgangspunkt unserer Reise.

Am nächsten Tag gab es das totale Kontrastprogramm – der Wind war weg. Grund genug, vor unserer Überfahrt nach Schweden noch einen geruhsamen Saunatag (im Hafengeld inklusiv!) einzulegen.

Das sollte man sich nicht entgehen lassen, zumal die Sauna für die Nordländler zum alltäglichen Entspannungsritual gehört und daher in keinem guten Haushalt fehlen darf. Verfügt man nicht über eine eigen Sauna, so sind die Gesellschaftssitzungen im gemeinsamen Schwitzkasten sehr beliebt bei Jedermann und -frau.

Es entbehrt nicht einer gewissen Komik, wenn fremde Leute nackend in ihrer göttlichen Pracht freiwillig schwitzend bei einer Höllentemperatur auf engem Raum zusammen sitzen, dass eine oder ander Pläuschen halten und schwer atmend dieses Martyrium über sich ergehen lassen.

Neben mir saß ein bulliger Finne, bei dem mir seine Hände auffielen. Ich kam mit ihm schnell ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass er erster Geiger des Sinfonieorchsters von Turku war. Geiger, bei diesen Wurstfingern! Unglaublich! Ein netter Kerl, konnte prima Deutsch und wir hatten großen Spaß, uns bei 90°C über zeitgenössische finnische Musik auszutauschen. Auch unglaublich!

typisch nordischer „Trollwald“

Tags darauf hieß es letzlich Abschied nehmen von herrlichen Landschaften, von vielen erfüllenden und erholsamen Segeltagen. Die Rückfahrt nach Graddø bei 2 bis 3Bft und Sonne bot uns allen Grund zur Wehmut.

Wir nehmen viele Eindrücke mit, die alle irgendwas mit der typischen nordischen Gelassenheit zu tun haben. Im Rückblick war es gut, dass wir die Vorsaison nutzten. Dass wir dabei auch noch so ein Glück mit dem Wetter hatten, bekräftigt uns umso mehr, diese Tour weiter zu empfehlen. Wir kommen bestimmt wieder – schöne Ålands!

Abschied von den Ålands